zum ersten Mal in meinem Leben…

…fahre ich zur Reha. Ob es mir gefällt, ob es mir was bringt? Ob es mir danach besser geht? Finde ich einen Kurschatten? 😉 Kann ich dann besser laufen?  Wie wird dort das Essensangebot sein? Lerne ich neue Ansätze kennen? Wird das wie ich mit meiner MS umgehe dort in Frage gestellt? 

Viele Fragen, aber keine Erwartungen. So werde ich dorthin fahren und ich möchte euch an dieser Zeit teilhaben lassen und werde ein kleines Tagebuch schreiben.

Aber warum denn jetzt eine Reha? Mein Neurologe hat es letztens bestätigt, ich wusste das schon länger. Ich habe keinen schubförmigen Verlauf mehr, ich habe einen chronisch progredienten Verlauf, schleichend schlechter werdend. Ich muss es eingestehen, es scheint so zu sein. Lange Strecken gehen nur noch mit Rolli, alle anderen Strecken mit Wanderstöcken.

Laufen und laufen

Zuhause laufe ich viel sicherer (ohne jegliche Hilfe), gehe Treppen und fahre nicht mit dem Fahrstuhl. Gestern habe ich mein Motorrad-Gespann in eine neue Garage gefahren, das war toll. Und all das schlechte Laufen hängt bei mir auch immer mit meiner Allgemeinsituation zusammen.

Meine Arbeitsstelle, in der ich sehr unglücklich war, habe ich noch bis Ende April. Ich suche ab Mai einen neuen Arbeitgeber. Meine Beziehung, mit der ich alt werden wollte und wir es immerhin auch auf schöne 13 Jahre geschafft haben, die habe ich seit anderthalb Jahren nicht mehr und lebe seitdem allein, aber ich fühle mich selten allein. Ich habe soviele tolle Freunde, die gern Zeit mit mir verbringen. Dafür bin ich sehr dankbar! (Der Trennungsgrund war, nur am Rande angemerkt, nicht die MS!)

Software mal updaten

Auch Menschen brauchen ein Software-Update und ich dachte mir: wenn nicht jetzt wann dann? Bald habe ich sicher einen neuen Arbeitgeber, dann habe ich dafür keine Zeit. Ich merke, wie sehr ich mich anstrenge, Sport mache, unterwegs bin, auf die Ernährung achte. Ich mache alles so wie ich denke, dass es richtig für mich ist. Ich habe jeden Tag unendlich viele Verpflichtungen, arbeite ehrenamtlich, helfe Anderen. In letzter Zeit hatte ich das Gefühl ich bin ein Duracell-Häschen, bei dem die Batterien immer leerer werden. Ich brauche neuen Input und meine Leiterplatte mit seinen Leitungsbahnen muss mal entstaubt und von Datenmüll befreit werden, damit sie wieder besser funktionieren kann!

Erholwochenende 

Letztes Wochenende habe ich mal versucht, abzuschalten und mit einem ruhigen Strom des Lebens zu schwimmen (was mir unglaublich schwer fällt) und war mit einer lieben Freundin in Colmar und was soll ich sagen: es war eine Erholung! Als ich sie wieder nach Hause brachte lief ich aus ihrem Haus die Treppen runter bis zu meinem Auto ohne Gehhilfe. Das zeigte mir mal wieder, ich muss ruhiger werden und nicht immer und ständig unter Strom stehen, weil ich immer soviel mache.

 

 

 

 

Eine Reha für ein neues Leben

Okay ich habe weiter oben geschrieben ich habe keine Erwartungen, aber eigentlich ist das gelogen. Oder nennen wir es mal statt Erwartungen einfach Hoffnungen. Ich hoffe, dass ich durch die Reha einen neuen Blick auf mein Leben bekomme. Nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen, nicht mehr schnell schnell so wie die „Gesunden“, sondern in MEINEM Tempo. Wenn ich das bei der Kur lernen und erkennen kann, dann frage ich mich: was will ich mehr.

Ein kleiner Exkurs zu Colmar

Was ist das denn für eine süße Stadt voller Fachwerkhäuser! Ja, eine Innenstadt voll mit Kopfsteinpflaster, aber so so wunderschön. Ich habe es mit dem Kopfsteinpflaster eine Herausforderung genannt. Ja, es war manchmal anstrengend im Rolli, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Sehr viel Spaß. Die meisten Franzosen hatten keine Lust, englisch zu sprechen, aber das war kein Problem, wir haben in den zwei Tagen einfach ein bisschen holpriges französisch gesprochen 😉

Colmar ist eine Reise wert und vielleicht fahre ich irgendwann mal wieder hin. Der Weihnachtsmarkt soll auch sehr schön sein. Menschen, die schlecht laufen, die müssen immerzu auf das Kopfsteinpflaster achten, das ist sehr anstrengend. Mit dem Rolli ist es auch anstrengend, aber ermüdet weniger und man kann nicht so schnell stolpern. Außer man passt nicht auf die Steine mit den großen Lücken auf, dann fliegt man statt zu stolpern, weil das kleine Rad drin stecken bleibt.

Reha ich komme

Nächste Woche Dienstag mache ich mich auf den Weg zu meiner ersten Reha/Kur und ich werde berichten. Ich bin sehr gespannt wie das wird, was das mit mir macht und wie und ob ich positive Effekte erleben werde. Vielleicht erlebe ich auch gar nix, ich habe im Vorfeld überhaupt keine Ahnung. Ich lass mich überraschen, ich werde alles aufsaugen, werde lernen und werde mich und mein Leben betrachten. Und ich werde meinen Umgang mit meiner MS anschauen. All das was ich mache war immer in meinen Augen für mich richtig, vielleicht gibt es ja noch andere Wege. Wir werden sehen 🙂

 

 

 

 

 

 

 

8 Gedanken zu „zum ersten Mal in meinem Leben…

  1. Walky

    Hallo liebe Dany, hatte mal wieder die Freude, mit deinem Beitrag dich und dein Leben besser kennenzulernen. Ja, das mit dem “Getriebensein” kenne ich auch ein bisschen, und es ist tatsächlich ein Gewinn, den eigenen Aktivitätsmodus ein wenig zurückzudrehen. Man glaubt gar nicht, was das für Kräfte freisetzt!
    Wünsche dir für deinen Reha-Aufenthalt viele neue Begegnungen, Anregungen, intensive Momente und fröhliche Stunden!
    Ganz liebe Grüße
    Wally

  2. Judith

    Liebe Dany,

    ich bin sehr gepannt!!!! Du schreibst mir so aus dem Herzen… das laufen wird irgendwie schlechter, vom Parner getrennt (nach 24 Jahren- aber auch nicht wegen der MS!)- immer alles schnell schnell, Ehrenamt an tausend Stellen… sind WIR so???
    Mit dem Gedanken REHA trage ich mich auch, aber ich habe Angst; einmal war ich- ich MUSSTE gezwungener Maßen von der Krankenkasse aus- das war leider nicht schön… . Daher bin ich sehr gespannt was du berichtest! Vieleicht (und ich hoffe es!) gibt es bessere Orte/Kliniken!
    Dir wünsche ich viiiiiiel Spaß, gute Gespräche, tolle Ansätze und dass dich alle so lassen, wie du bist, wie DU deinen Weg gehst.

    Alles Liebe
    Judith

  3. Elisabeth Stritzl

    Liebe Dany!

    Ich hab gerade Deinen Bericht gelesen bezüglich Reha usw.
    Bin ganz neu hier, erst vor einigen Tage auf diese Seite gestoßen, auch deswegen, weil meine 17jährige Tochter die Diagnose MS erhalten hat.

    Ich hab selbst MS seit 6 Jahren und habe wegen mir hin und wieder wo nachgelesen wegen der MS und jetzt da meine Tochter auch betroffen ist, mache ich da mehr.
    Also bezüglich Reha kann ich Dir sagen, dass das eine tolle Sache ist (bei mir wars so), bin gleich im ersten Jahr als ich die Diagnose bekam Reha gefahren.

    Ich konnte ja alles machen, außer beim Laufen (ist sowieso net meines) wars eigenartig, aber ich brauchte das ja nicht, alles andere ok soweit.
    Hab Menschen mit den verschiedens ausgeprägten Formen gesehen, im Rollstuhl, so ähnlich wie bei mir, wo man es nicht sieht, nur ich merke es und echt schwere Fälle.
    Die Therapien fand ich supertoll, nur kommt man halt zuhause nicht so dazu wie man gerne danach das machen möchte.

    Ich muss dazu sagen, dass meine 2 Mädels damals 11 und 3 Jahre alt waren, daher ists mit Reha nicht so leicht gewesen, da musste ich mir den Termin gut aussuchen und nur in den Ferien wo mein Mann Urlaub genommen hat. So spontan ging es nicht, aber egal.
    Wollte dann einige Jahre später nochmal fahren, aber alles mögliche ist mir dazwischen gekommen, auch ein schwerer Schiunfall wo mein linkes Knie Schaden genommen hat und nie mehr so wird wie vorher, aber es geht so halbwegs.

    Darf ich Dich fragen wohin Du zur Reha fährst?
    Was ich so aus der Story rauslesen kann ist, dass Du viel machst uns sehr aktiv bist.
    Wie geht es Dir eigentlich mit der Fatique? Ich bin schon manchmal ganz schön müde, aber dann raste ich und danach muss es wieder gehen.
    Es wird einem bei der Reha viel gezeigt und erklärt, und mir ist gesagt worden, von einer Rehakollegin die jedes Jahr dorthin fährt, dass man nicht vor lauter Begeisterung alles macht, denn es ist schon anstrengend.

    Man ist ja geneigt, weil man so begeistert ist, alles mitzumachen. Man sollte klarerweise schon die Therapie die auf einen zugeschnitten sind machen das ist klar, aber wenn man müde ist oder mal nicht so gut drauf, soll man es lassen und rasten.
    Mir ists nämlich auch so gegangen, dachte mir, wenn ich schon da bin und Zeit habe, brauche mich ja nur auf mich zu konzentrieren, dann mache ich alles oder was ich möchte, was so angeboten wird.
    Du hast da die richtige Einstellung und ich würde es bei der Reha genau so machen wie Du geschrieben hast, so wie es für Dich gut ist und Du das machen willst.

    Ich bin beim Lesen Deiner Story an mich selbst erinnert worden wie ich damals Reha war, hab nämlich Freunden, die in einem Blog sind, so ein Rehatagebuch geschrieben.
    Also so was für Therapien ich gemacht habe und was so auf dem Programm steht und das ist eine gute Sache.
    Liebe Grüße
    Elisabeth

  4. zeitgedanke Beitragsautor

    Hallo liebe Elisabeth,

    ich bin wirklich sehr gespannt und offen für alles was da kommen mag. Von der Fatique bin ich zum Glück bisher verschont geblieben und ja ich bin sehr aktiv. Mein Reha-Ort wird Bad Wildbad sein. Wo warst du damals?

    LG Dany

  5. zeitgedanke Beitragsautor

    Dankeschön liebe Judith, dann lass uns zusammen gespannt sein und du wirst es mitverfolgen können 🙂 Ach bist du auch so Eine mit Ehrenämtern und so schnell schnell und dir fällt es schwer mal Piano walten zu lassen? Vielleicht liegt da ein Knackpunkt.

    Ich hoffe sehr, dass ich viel Spaß haben werde, viel dazulerne, viel Neues kennenlerne und weiter MEINEN Weg gehen kann. Ich bin ja wirklich schon ein alter MS-Hase und habe mir in all den vielen Jahren ein Dany-Konzept erstellt. Aber ich bin offen und vielleicht kann ich an meinem Konzept auch noch was verbessern, wahrscheinlich schon.

    Liebe Grüße
    Dany

  6. Elisabeth

    Liebe Dany,
    ich war damals in Bad Ischl.
    Das ist eine Reha nur für MS Betroffene, im dortigen KH eine Station sozusagen.
    Könnten dreimal soviele Leute unterbringen, weil die Nachfrage sehr groß ist und zuwenig Platz.
    Ich würde jederzeit wieder dorthin fahren, da ists direkt familiär.
    Liebe Grüße
    Elisabeth

  7. Judith

    Ja, Dany, ich bin auch so eine… und das Judith-Konzept passt auch in kein Schulmedizinprogramm; daher wahrscheinlich auch meine Angst vor einer Reha… . Vielleicht kann deine Erfahrung mich umstimmen; ich habe das Gefühl, dass zwischen dir und mir ziemlich viele Ählichkeiten sind ;-)… . Bin gespant!

    Liebe Grüße
    Judith

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